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Ein Moment in der Zeit

Liebe Gemeindemitglieder, Freunde und Unterstützerinnen,


Hinter uns liegt ein besonderes Jahr, das uns viel gegeben und viel abverlangt hat. Und vor uns liegen große Pläne, besondere Herausforderungen und hoffentlich ein warmes, offenes, sicheres und buntes Gemeindeleben auf vielen Ebenen. Wie unser Rabbi am 22. Dezember bei unserem letzten Kiddusch im Jahr 2023 in der Drascha ausgeführt hat ist auch für uns der Jahresübergang im bürgerlichen Jahr ein wichtiger Zeitpunkt, auch wenn unser Neujahr bereits im September statt gefunden hat. Es bietet sich also auch für uns ein Rück- und ein Ausblick zu diesem Zeitpunkt an.


Rückblick

Zwei große Ereignisse haben uns im vergangenen Jahr bewegt und sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Gemeinsam mit der Weltöffentlichkeit mussten wir einen brutalen, niederträchtigen Überfall auf Israel durch die Hamas erleben und dann einen daraus folgenden Krieg. Wir alle wussten sofort, dass im Krieg das erste Opfer die Unschuld ist und trotz der Notwendigkeit zur Verteidigung haben viele von uns auch ernste Zweifel daran, ob es einen gerechten Krieg geben kann. Das Leid hat auch unsere Familien erreicht. Wir haben gespürt, wie in unserer Gemeinde die gegenseitige Unterstützung und die Sicherheit auch durch Rituale und Trost in schweren Zeiten selbstverständlich ist. Für viele von uns, war unsere Gemeinde in den ersten Wochen nach dem Überfall ein Ort des sicheren Rückzugs. Wir konnten sogar ein Zeichen gemeinsam mit christlichen und muslimischen Gemeinden setzen, um zu zeigen, dass es sich aus unserer Sicht nicht um einen Religionskrieg handelt und wir als Menschen uns nicht entzweien lassen. Die Logik der Gewalt möchten wir nicht für uns annehmen, denn auch wenn es manchmal ausweglos erscheint, entspringt ihr kaum jemals etwas Gutes.


Foto der Einweihungsfeier unserer Synagoge im September 2023

Das andere bewegende Ereignis war die Eröffnung unserer Synagoge! Viele Male ist es bereits gesagt und geschrieben worden und es ist wahr: Diese Errungenschaft war und ist alles andere als selbstverständlich oder erwartbar. Auf sehr vielen Ebenen gleicht es einem Wunder, dass wir die baulichen, finanziellen, formaljuristischen, bürokratischen und praktischen Herausforderungen unter der Leitung von unserem Rabbi meistern konnten. Aber all das wäre nichts, wenn sich nicht gezeigt hätte, dass dieses Beit Knesset von allen so selbstverständlich und herzlich angenommen wird und unser Gemeindeleben noch einmal intensiver hat werden lassen. Die vielen guten Wünsche auch von nicht jüdischen Stimmen haben uns berührt und inspiriert, unseren Weg eines lebendigen Judentums in Dresden weiter zu gehen. Im Beirat sind wir hoch erfreut, dass so viel von uns daran teilnehmen und wir Herz, Kopf und Hände einbringen.


Ausblick

Das Wesen der Ausblicke ist ihre Ungewissheit. Wir wissen nicht, was uns die Zukunft bringt, aber das soll uns nicht davon abhalten, zu wünschen, träumen und für unsere Sache zu arbeiten und kämpfen. In unserer Gemeinde werden wir das weiter tun. Unser Synagogalchor wird weiter entwickelt, unsere Räumlichkeiten und Möglichkeiten haben wir begonnen Jugendlichen für eigene Projekte zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 2024 wird unsere bereits fortgeschrittene Gemeindeküche ihre endgültige Form annehmen und uns noch exquisiter mit Leckereien versorgen. Es sind bereits Planungen für Schiurim zu Melodien und Gebeten als auch zu Abläufen in der Synagoge gemacht und wir hören von viel Interesse daran. Auf der Verwaltungsebene arbeitet der Vorstand weiter mit viel Elan an der Professionalisierung auf allen Ebenen. Mithilfe im Bereich der Gemeindearbeit ist immer sehr willkommen. Fast jede und jeder von uns hat Talente, die von großer Hilfe für die Gemeinschaft sein können. Was die Synagoge angeht, erwarten wir, dass bald der Eingang fertig gestellt wird - unsere Freiwilligen arbeiten daran in ihrer Freizeit mit großem Einsatz! Der Boden und die weitere Einrichtung wird eine Aufgabe für die nächsten Jahre und auch dabei sind Sach-, Ideen-, Geld- und Arbeitsspenden eine unverzichtbare Unterstützung. Auch eigene Ideen sind dabei erwünscht.


Der Moment

Auch wenn Aus- und Rückblick uns orientieren und uns vielleicht spüren lassen, wo wir stehen und wohin wir gehen, ist der Moment ebenso wichtig. Die Gegenwart ist schließlich das einzige wirklich reale, denn Erinnerungen und Zukunftsideen finden streng genommen nur in unseren Köpfen statt. Was wir mit unseren Sinnen erfassen ist das, was ist und hat nicht nur eine besondere Qualität, sondern erlaubt es uns auch, uns miteinander zu verbinden. Wenn wir zum Beispiel beim Kiddusch zusammen sitzen, gemeinsam Singen oder an einem Projekt oder Werk zusammen arbeiten, erfahren wir uns selbst und diejenigen um uns herum. Das nennen wir Gemeinschaft und es ist das, was unsere Gemeinde auszeichnet. Wir im Beirat wünschen uns allen gemeinsam, dass wir uns auch im nächsten Jahr selber und gegenseitig gut wahrnehmen, füreinander einstehen, einander zuhören und mit Wohlwollen Kompromisse finden. Das ist das Pfund mit dem wuchern dürfen und die Basis für was wir erreicht haben und erreichen werden. In diesem Sinnen geht unser Wunsch für 2024 an uns alle - Mitglieder, Freundinnen und Freunde, rot oder blau, krumm oder gerade, alt oder jung, binär oder nicht.

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